'Du fliegst alleine nach Teneriffa? Allein? Ganz allein? - Okay, wow.'
.. Das war die Reaktion, die ich zu 70% bekommen habe als ich von meinen
Urlaubsplänen erzählt habe. Leicht verunsichert, dass es sich so viele
nicht vorstellen können alleine in den Urlaub zu fahren, stieg ich dann
ins Flugzeug, letzen Sonntag Mittag.
Jetzt eine Woche später, sitze ich im Flieger zurück nach Deutschland
und ziehe ein Fazit. Nicht das Fazit über die Insel (wunderschöne
Landschaft, nervige Straßen-Verkäufer, beeindruckendes Waale &
Delfine gucken, zuckersüßes Kamel Reiten, Hotel direkt am Meer ..) oder
meinen Bräunungserfolg (mehr rot - weiß als braun), sondern über das
verreisen alleine.
Klar, ist es was anderes als mit seinen liebsten zusammen zu verreisen,
aber ist anders gleich schlechter? Man kann das definitiv so oder so
sehen: Du bist zwar allein, lernst aber unglaublich viele, neue Leute.
Zumindest hälst du ständig und gefühlt mit jedem Smal-Talk. Du bist
teilweise gelangweilt, aber es ist so super entspannend. Du kannst immer
und überall tun und lassen, was du willst. Du hast dein Hotelzimmer,
dein Bad und deine Zimmerkarte für dich. Später Mittagsschlaf? Kein
Problem - , denn du hast ja Ruhe auf deinem Zimmer wenn du das grade
willst. Das ist wirklich sehr erholsam so viel Zeit mit sich selbst zu
verbringen und nicht nur das. Wenn du schlecht in englisch bist
verbesserst du das auch zwangsläufig je mehr, desto länger du da bist.
Du lernst unglaublich viel und du reifst in dieser Zeit mehr als in
einigen Monaten, die du mit Freunden normal im Alltag verbringst. Wenn
du schüchtern bist, lernst du mit den Leuten zu reden um Sachen zu
klären - denn wer soll es sonst machen? Mama von zuhause aus? Du stellst
dich Herausforderungen, wie einen Ausflug alleine zu organisieren, dich
als orientierungsloser Mensch in einer fremden Stadt zurecht zu finden.
Herauszufinden, dass es gar nicht schlimm ist, wenn du dich dann voller
Orientierungslosigkeit verläufst und im Kreis läufst. Was passiert
schon?
Für mich persönlich nehme ich viel mit aus diesem Urlaub zwischen
Palmen, Delfinen und dem Hotel Pool voller fremder Menschen und sexy
Spanier. Ich lasse meine Selbstzweifel da, meine übertriebene Ausmalerei
von Ängsten, was denn alles passieren könnte 'wenn das und das
passieren würde'. Guts over fears. Nicht immer Angst haben und ewig
drüber nachdenken, sondern einfach MACHEN! Mit nehme ich zu diesen
Gedanken auch noch Stärke, Selbstbewusstsein und weitere, persönliche
Erkenntnisse. Und die Erkenntniss, dass ich es nicht geschafft habe mein
Handy mehr als einen halben Tag aus / weg zu lassen #shameonme
#handysüchtig
Alles in allem muss das natürlich jeder für sich selbst wissen, ob er
alleine in den Urlaub fliegen / fahren möchte. Aber ich habe neben den
ganzen (meiner Meinung nach ängstlichen) Stimmen auch Kommentare gehört
wie 'Ach, in den Urlaub fliegen - so schön entpannend! Aber jetzt habe
ich Mann, Familie .. Da geht das ja iwie auch nicht mehr' oder auch 'Ich
möchte dieses Jahr auch unbedingt in den Urlaub fliegen - ich muss hier
raus. Der Job ist so stressig .. & wenn keiner meiner Freunde Zeit
hat, dann flieg ich eben alleine. Ich meine: man setzt sich ja auch
alleine mal in ein Café oder geht shoppen. Warum dann nicht auch in den
Urlaub?' Ich kann es jedem nur empfehlen, denn selbst wenn es euch nicht
gefällt: dann macht ihr es eben nicht noch einmal. Ganz einfach.
Einfach ausprobieren, statt sich ewig Gedanken zu machen. Es gibt so
viel zu sehen auf dieser Welt, bleibt nicht zuhause. Denn wenn ihr
später alt seid werdet ihr euch nicht dran erinnern wie ihr entspannt
ausgeschlafen habt eine Woche lang im regnerischen Deutschland. Nein,
ihr werdet euch daran erinnern wie ihr mit dem Boot aufs Meer gestartet
seid und dann plötzlich, tatsächlich wunderschöne Delfine neben eurem
Boot geschwommen sind. Ihr werdet euch daran erinnern auf einem
niedlichen Kamel durch die einzigartige Landschaft geritten zu sein. Ihr
werdet euch an den schönen, entspannenden Rhytmus erinnern und die
Sonne die in der Ferne den wunderschönen Atlantik zum funkeln bringt.
Guts over fears.